Montag, 23. April 2012

Schnee in Rom

Vorweg: Aufgrund der besonderen Umstände sind viele Bilder nur mit der Handykamera entstanden. Für "Visualästhetiker" ist der Bericht eventuell nicht befriedigend ;)

Kurz vor meinem Kanada-Urlaub war ich noch einen Tag in Rom. Ich hatte mir das eigentlich so vorgestellt: Freitags gemütlich anreisen, gegen 17 Uhr mein Hotel beziehen und noch eben ein Eis essen gehen. Samstags wollte ich noch dem Kolosseum und dem Petersdom einen Besuch abstatten. bevor ich gegen 14 Uhr zum Flughafen fahren wollte. Ich kenne Rom ja schon, also ging's mir eigentlich nur darum, dem mitteleuropäischen Winter zu entfliehen.

Gebucht hatte ich den Trip über Opodo, die im letzten Jahr über Groupon einen Gutschein angeboten hatten. 10 Euro kostete der Gutschein und er war 75 Euro wert. So musste ich noch etwa 30 Euro aufzahlen, um Flug und Hotel zu bekommen. Als Hotel war das Excel Montemario gebucht, das eine hervorragende Alternative ist, wenn man nicht direkt in der Innenstadt sein möchte.

Es kam aber doch ganz anders als geplant: Der Abflug in Düsseldorf war noch planmäßig. Doch bereits bei der Landung, die recht holprig war, schwante mir Übles. Am Flughafenbahnhof wurde meine Vorahnung bestätigt. Da ich ja sparsam bin und es zeitmäßig auch nicht viel ausmachen sollte, wollte ich mit dem Regionalzug fahren und nicht mit dem Leonardo-Express. Kurz nachdem ich mein Ticket gekauft hatte, fuhr noch ein Leonardo-Express zum Hauptbahnhof "Termini". Danach ging erst mal knapp 1 1/2 Stunden nichts mehr: Das Schneechaos hat mich erwischt. Wie ich nachher erfahren sollte, war dies der stärkste Schneefall in Rom seit 1985.

Irgendwann kam dann auch mein Zug, der außerhalb jedes Fahrplans fuhr. Am Bahnhof Trastevere wollte ich eigentlich in einen anderen Vorortzug umsteigen, doch auch dies sollte sich als schwierig erweisen. Alle Bahnsteige waren voll mit Fahrgästen, die noch irgendwohin wollten, aber da es seitens der Bahngesellschaft auch keine Informationen gab, nicht wussten, wie sie an ihren Zielort kommen konnten. Der Höhepunkt war dann, als ein Zug augenscheinlich auf einem abweichenden Gleis einfuhr. Wie klein kann doch so eine Bahnsteigunterführung sein... Tokioter Verhältnisse auch in den wenigen Zügen, die noch fuhren:



Rom war mit einer leichten Schneeschicht überzogen:



Nach einem einstündigen Fußmarsch und insgesamt 3 1/2 Stunden Reisezeit für 18 Kilometer war ich dann gegen 20 Uhr in meinem Hotel. Nach dem Auspacken meines Koffers beschloss ich, noch einen kleinen Spaziergang zu machen. Ich hatte geplant, zum Petersdom zu gehen, doch es fuhren keine Busse, Straßenbahnen oder Züge mehr, wie ich später feststellen musste. Nur die Metro war noch in Betrieb. Unterwegs wurde mir bewusst, dass die mediterrane Vegetation dem Schnee nicht unbedingt standhält:



Weiter ging's Richtung Innenstadt. Zu Fuß, weil öffentliche Verkehrsmittel nicht existent waren:



Zum Glück für den Baum stand dieser Fiat Cinquecento hier. Was aber der Besitzer des Fahrzeugs macht, wenn er wegfahren will?



Der Petersplatz im Schnee war aber ein toller Anblick. Sogar der Weihnachtsbaum stand noch da.



Und im Zusammenspiel mit dem beleuchteten Petersdom war der Anblick nahezu überwältigend.



Dazu kommt, dass wahrscheinlich noch nie so wenige Menschen auf dem Platz waren wie zu diesem Zeitpunkt. Ich habe einschließlich mir 3 Personen gezählt. Toll!

Nachdem ich mich die Serpentinen hoch zurück zu meinem Hotel gequält hatte (mein Hotel lag auf dem Monte Mario, mit 139 Metern der höchste "Berg" Roms), erkundigte ich mich noch kurz an der Rezeption, wie das Wetter am nächsten Tag werden soll (weder WLAN noch der Fernseher funktionierte auf meinem Zimmer) und erhielt als Auskunft, dass es unverändert sein soll - immer wieder Schneeschauer. Also war's das mit einem Besuch der Innenstadt. Ich stand gegen 8 Uhr auf, da ich meinen Flug um 16:20 Uhr sicher bekommen wollte. Aus meinem Hotelzimmer war die Aussicht tatsächlich pittoresk: Das zugeschneite Rom - wann wird es das das nächste Mal geben?



Ich verschwendete keine Zeit und nach einer knappen Stunde Wartezeit kam ein Bus zur nächsten Metrostation. Von dort zum "Termini"-Bahnhof und dann mit dem Leonardo-Express zum Flughafen. Erstaunlich gut hat das funktioniert: Ich habe nur noch knapp 3 Stunden gebraucht. Aber irgendwie war ich doch froh, dem Chaos entfliehen zu können. Besonders, als ich mir nach der Rückkehr einen Überblick über die Nachrichtenlage gemacht habe:

Artikel im "Standard"

Weiterer Artikel der Zeitung "heute"

"Winterausrüstung erforderlich", war der Tenor in den Nachrichten. Dies führte teilweise zu skurrilen Szenen: Von Menschen, die Schneeketten aufzogen über Busse, die an Hängen einfach stehenblieben und nicht mehr weiterfuhren bis hin zu einem kompletten Stadtteil, der eine Schneeballschlacht veranstaltete. Inklusive Opa und Oma.

Ebenfalls skurril, aber schon gefährlicher war der anfängliche Versuch der Stadtverwaltung, mit Kehrmaschinen den Schnee von der Straße zu entfernen. Dies führte an einer Straße dazu, dass eine Art "Eisfläche" entstand, auf der man sehr gut hätte Rodeln können. Autofahren war da aber nicht mehr möglich. Diese Straße war irgendwann dann auch gesperrt.

Insgesamt ein Trip, den ich so nicht erwartet habe. Aber dennoch mit Eindrücken, die ich so schnell nicht vergessen werde. Glücklicherweise war der Wintereinbruch am Freitagnachmittag, so dass die Leute am nächsten Tag nicht zur Arbeit mussten. Dann wäre wohl das öffentliche Leben in der Stadt unweigerlich zusammengebrochen. So war es aber eine interessante Erfahrung, dass sogar die Einwohner Roms mit Kameras durch ihre Stadt zogen und ich dadurch nicht gleich als Tourist erkannt wurde. ;)

Good bye, Canada - Au revoir, Canada!

Der letzte komplette Tag in Kanada. Am späten Vormittag fuhr ich auf die Toronto Islands, eine der Stadt vorgelagerte Inselgruppe im Lake Ontario. Die einzige Verbindung zur Stadt besteht aus Fähren. Im Winterhalbjahr ist auch nur eine von drei Routen in Betrieb. Die Fähre führte mich auf Wards Island. Unterwegs gab es tolle Ausblicke auf die Skyline Torontos:



Der CN Tower (links) stand eigentlich auch auf meiner Agenda, als ich aber sah, dass der Turm teilweise schon von Wolken umgeben war, verzichtete ich darauf, den Eintritt zu zahlen und dann doch kaum eine Aussicht zu haben.



Wards Island dient auch als Naherholungsgebiet für die Bewohner Torontos, doch beim ungemütlichen, nasskalten und windigen Wetter schien die Insel fast ausgestorben:



Mir hat das Wetter hier auch nicht behagt, also ging es auch recht schnell wieder zurück:



Am Air Canada Center, wo ich am Abend zuvor das NBA-Spiel angeschaut habe, kaufte ich mir ein Ticket für das Lacrosse-Spiel zwischen Toronto Rock und Philadelphia Wings am selben Abend.



Doch zunächst sollte mich mein Weg noch zu einer anderen Sportart führen. Ja, richtig geraten, Eishockey. ;)

Toronto Marlies vs. St. John's IceCaps 1:2 (0:1, 1:0, 0:1).

Ricoh Coliseum, Toronto; 5.370 Zuschauer


Statistik zum Spiel

Die Toronto Marlies, das Farmteam der Maple Leafs, spielten gegen die St. John's Icecaps. Die Gäste hatten immerhin eine etwa vierstündige Flugreise von Neufundland zu diesem Spiel hinter sich. Müde waren sie aber nicht, denn auch hier gelang den Marlies kein Heimsieg, obwohl auch sie als Tabellenführer der North Division in der Favoritenrolle waren. Die Partie fand im nur zur Hälfte gefüllten Ricoh Coliseum statt.



Mit Korbinian Holzer und Marcel Müller spielen zwei Deutsche bei den Marlies.





Die IceCaps, die in der Atlantic Division der AHL Tabellenführer waren, haben auch verdient gewonnen - der Sieg hätte durchaus noch höher ausfallen können. Am Ende blieb es aber beim 1:2 für St. John's. Die Stimmung beim Spiel war eher mittelmäßig. Da merkte man doch, dass die Marlies nur das "Zweitteam" Torontos ist.

Direkt nach dem Eishockey-Spiel ging's wieder zum Air Canada Center.

Toronto Rock vs. Philadelpha Wings 8:14

Air Canada Center, Toronto; 10.360 Zuschauer


Lacrosse war mir zuvor gar nicht bekannt, ich kannte noch nicht einmal die Regeln. Dies sollte aber kein Problem sein, es gab nämlich kaum welche. Ein Angriff muss nur in 30 Sekunden abgeschlossen werden, man darf nach Überquerung der Mittellinie nicht mehr mit dem Ball zurück in die eigene Hälfte und Angriffe von hinten sind nicht erlaubt. Von Bodychecks, über Schläge mit dem Stick bis hin zu kleineren Rangeleien wurde aber sonst nichts abgepfiffen.



Toronto Rock ist der amtierende Meister der Nation Lacrosse League. Auch hatte Toronto zwei Wochen zuvor mit 15:6 in Philadelphia gewonnen. Also war auch hier wieder das Heimteam in der Favoritenrolle. Und was geschah? Richtig - wieder eine Niederlage für die Heimmannschaft!



Toronto verlor deutlich mit 8:14.



Danach ging's auch schnell wieder zum Hotel, weil ich noch meinen Koffer für den nächsten Tag packen wollte.

Zum siebten und letzten Tag gabs eigentlich nicht mehr viel zu sagen, denn das war der Abreisetag. Morgens habe ich noch im Eaton Center ein paar Sachen eingekauft, bevor ich dann zum Flughafen fuhr. Immer wieder erstaunlich, wie schlecht manche Flughäfen in Nordamerika mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden sind. Der Pearson Airport ist nur mit dem Bus zu erreichen. Und das auch erst, nachdem man mit der U-Bahn vom Zentrum bis zur Endstation gefahren ist...

"Spoiler": Jetzt kommt ein launiger Bericht über den Rückflug. Bitte nicht allzu ernst nehmen und die fehlenden Fotos entschuldigen ;)

Über Rom und Wien gings zurück nach Hannover. Dabei war der Transatlatikflug Toronto-Rom wesentlich unangenehmer als der Hinflug. Neben mir saß eine Ghanaerin, die anscheinend Beziehungsprobleme hatte (Handy-Telefonat auf dem Weg zur Startbahn: "Why do I deserve this?"). Ich überlegte, was wohl passiert, wenn ich mich tiefgehender mit ihr unterhalten würde: Fängt sie dann an zu weinen? Nein, das wollte ich unter allen Umständen vermeiden - also lieber nur ein kurzes Gespräch über die Qualität des Essens. In Anbetracht der Essensqualität war das Gespräch dann auch wirklich kurz ("Is your meat THAT stringy, too?" - "Yes, it is.").

Schräg vor mir saß im Mittelblock ein Italiener, der mit der Gesamtsituation unzufrieden war. Er fing bereits beim Boarding einen Streit mit dem Flugbegleiter an, weil er seinen Trolley vier Reihen weiter vorne unterbringen musste (so habe ich das Gespräch zumindest gedeutet - bei Italienern weiß man ja nie, ob sie sich nur normal unterhalten oder streiten... ;) ). Jedes Mal, wenn ein Crew-Mitglied vorbeiging, fing er ein lebhaftes Gespräch an. Und ich wollte auf dem Nachtflug einfach nur schlafen. Dieses Vorhaben wurde desweiteren durch einen Passagier erschwert, der statt Kopfhörer wohl Lautsprecher an den Audioausgang angeschlossen hatte und so den "Peppino"-Film (der übrigens das einzige "Entertainment" war, das man mithilfe von Untertiteln auch auf Englisch verstehen konnte) geschaut hat. Und als mein Freund, der wahrscheinlich bei jeder US-Airline schon vor dem Start entfernt worden wäre, beim Socken ausziehen gegen mein Bein stieß, wäre ich fast explodiert. Man muss dazu sagen, dass seine Füße in meiner Erinnerung auch nicht unbedingt die saubersten waren.

Wenig später - ich war natürlich wieder kurz vorm Einschlafen - wollte er seine Armlehne nach oben klappen. Dass dies auf den Gangplätzen nicht geht, hat ihm wohl keiner der Besatzung in den ca. 284 Gesprächen vorher erzählt. Daher wollte er dieses "Problem" mit Gewalt lösen. Nach mehreren Schlägen, sowohl seitlich, als auch von oben und unten, gegen die Armlehne, bewegte sie sich immer noch nicht und er schien sich langsam mit dieser Tatsache abzufinden. Er war auch während des gesamten Fluges nicht angeschnallt, was mich irgendwann zu gewissen Gedanken verführte ("Hoffentlich kommt gleich ein Luftloch...").

Die Rache folgte aber nur wenigen Minuten später. Beim Durchgehen mit dem Getränkewagen stieß die Flugbegleiterin gegen sein Knie. Ein lauter Aufschrei ging durch die Kabine und ich musste mich doch etwas beherrschen, damit ich nicht anfing zu lachen. Anscheinend war es aber nicht so schlimm, denn nur 20 Minuten später verhandelte er in der hinteren Galley mit den Flugbegleitern über den Preis (oder die Menge...) der Duty-Free-Zigaretten.

Alles in allem: Mit Alitalia kann man fliegen, wenn

- man keinen Nachtflug hat
- der Flug nicht länger als zwei Stunden dauert
- man keinen Wert aufs Essen legt
- einem die Mitpassagiere egal sind
- man Italienisch spricht, um die beiden Filme zu verstehen

Sonst gibt es sicherlich bessere Alternativen. Dennoch ein großes Lob an die Crew, die trotz der widrigen Umstände jederzeit bemüht war, den Flug so angenehm wie möglich zu machen.

In Rom hatte ich zwei Stunden Aufenthalt und musste wieder einmal feststellen, dass man um 8 Uhr morgens am dortigen Flughafen nichts ordentliches zu essen bekommt. Immerhin war es nach meiner biologischen Uhr zwei Uhr in der Nacht. Da steht einem der Sinn eher nach etwas Deftigerem als dem Mc-Donalds-Frühstück. Naja, also ging's dann mit einem Salami-Rucola-Brötchen für 4,30 Euro weiter nach Wien. Der Flug hatte am Ende 1,5 Stunden Verspätung, was ich aber nicht sonderlich schlimm fand, da mein Flug nach Hannover erst sechs Stunden später abfliegen sollte.

Nachdem die Wartezeit in Wien dann "nur" noch fünf Stunden waren, ging's mit Air Berlin auf den letzten Abschnitt der Flugreise. In Hannover trennte mich dann nur noch eine gute einstündige Bahnfahrt von Osnabrück.

Fazit: Wenn immer wieder gesagt wird, dass (Süd-)Kanada im Winter nicht unbedingt empfehlenswert ist - das stimmt definitiv nicht! Ich habe es sehr genossen, dass wenig Touristen dort waren. Die Attraktionen waren alle nicht überlaufen (so stand ich einmal mit vier anderen Leuten an den Niagara Falls) und die Preise sind natürlich auch wesentlich besser. Das Hotel hat mich gerade einmal 12 Euro pro Nacht gekostet - inklusive Frühstück! Und ich denke auch, dass man in der Zeit viel besser das eigentliche Leben der Menschen dort kennenlernen kann als im Sommer, wenn Millionen von Touristen zeitgleich in die Region um Niagara Falls kommen. Toronto war ein Kapital für sich - eine Stadt, zu der man nicht leicht einen Zugang findet. Vielleicht war ich auch zu kurz dort, aber die größte Stadt Kanadas war für mich einfach nur eine beliebige nordamerikanische Großstadt. Ich muss jedoch sagen, dass ich bis auf die Innenstadt, einen Teil von Etobicoke (übrigens ein Viertel, in das man nachts nicht unbedingt geraten möchte) sowie Ward Island nicht viel von Toronto gesehen habe. Und vielleicht sieht die Stadt im Sommer auch wieder anders aus.

Also lautet mein Motto, ganz im Sinne des zweisprachigen Landes: "See you again!", "A la prochaine!"

Tag 5 in Kanada, Tag 1 in Toronto

Am fünften Tag sagte ich Niagara Falls Adieu und machte mich auf nach Toronto, wo ich die letzten beiden Nächte vor dem Rückflug verbrachte.

Ich habe das Bond Place Hotel über Hotwire gebucht. Für etwa 75 Euro für 2 Nächte ein unschlagbarer Preis, denn das Hotel liegt direkt am Dundas Square, dem zentralen Platz der Stadt. Auch das Eaton Center, Kanadas größtes Einkaufszentrum, ist in nur zwei Minuten zu Fuß zu erreichen. Der Ausblick von meinem Hotelzimmer im 11. Stock - leider nicht in Richtung Downtown:



Nachmittags machte ich einen kleinen Stadtrundgang. Ich kam dabei am Dundas Square vorbei,





sah die neue City Hall mit einer Eisbahn davor (das Rockefeller Center in New York lässt grüßen):



und kam auch an der Old City Hall vorbei, die nur wenige Meter vom neuen Rathaus entfernt ist:



Hochhäuser prägen die Stadt - auch hier erinnerte mich Toronto etwas an New York, auch wenn hier alles etwas gemächlicher vonstatten geht:



Abends stand ausnahmsweise mal nicht Eishockey, sondern Basketball auf dem Programm.

Toronto Raptors vs. Charlotte Bobcats 91:98 (23:22, 22:25, 24:21, 22:30)

Air Canada Center, Toronto; 15.575 Zuschauer


Infos zum Spiel auf der Website der Raptors

Toronto hat mit den Raptors ein eigenes NBA-Team, das aber in der Eatsern Conference mehr schlecht als recht mitspielt. Am diesem Abend spielten die Raptors gegen die Charlotte Bobcats von Besitzer Michael Jordan. Dass die Bobcats nicht allzu viel von ihrem Besitzer gelernt haben konnten, zeigte sich in der Statistik des Teams - 16 Niederlagen in Folge standen dort zu Buche. Also sollte ich hier live den zweiten Heimsieg in einem Sportwettstreit in Kanada sehen? Nein, die Bobcats gewannen am Ende mit 98-91. Dennoch war die Stimmung über weite Strecken der Partie ganz gut. Vielleicht lag es aber auch daran, dass an dem Abend "Fan Night" war und es 40% Rabatt auf alle Fanartikel sowie zahllose Give-Aways gab?



Für mich immer wieder faszinierend, dass sich Sporthallen und Stadien in Nordamerika erst auf den letzten Drücker füllen. Stellt euch mal ein Bundesliga-Stadion fünf Minuten vor Anpfiff vor...



Cheerleader gabs natürlich auch:



und dann gings los:



In der Halbzeit gabs noch eine kleine Show: Naughty by Nature ("Hip Hop Hooray") sangen einen Mix ihrer Hits:





Übrigens war auch die Sugarhill Gang, die man durchaus zu den wegbereitenden Hip-Hop-Künstlern ("Rapper's Delight") zählen kann, im Publikum. Ein NBA-Basketballspiel und Naughty by Nature für umgerechnet 11 Euro - da kann man nicht meckern.

Nach einem 20minütigem Fußmarsch durch den PATH war ich dann auch wieder in meinem Hotel. Der PATH ist in Toronto sowieso eine interessante Erscheinung. Als ich dort war, war es zwar wärmer als im Durchschnitt der Jahreszeit, aber dennoch freute ich mich darüber, mich fast zu jeder Zeit in Torontos Innenstadt aufwärmen zu können, in dem ich für einen Teil des Fußwegs die Tunnel benutzte. Allerdings verläuft man sich recht leicht, wenn man die Namen der Gebäude nicht kennt und daher einem auch die Schilder nicht weiterhelfen.

Kanada, Tag 4

Am vierten Tag meiner Reise zog es mich zunächst in die Innenstadt von Niagara Falls. Unter Kanadiern ist die Stadt neben den Wasserfällen vor allem als kleine Version von Las Vegas bekannt. Mein Hotel hatte beispielsweise eine Hochzeitskapelle und in Downtown gab es Touristen-Attraktionen wie "Ripley's Believe it or not", die Guiness World of Records oder ein Dracula-Haus. Natürlich alles mit Reklameschildern.



Dies reizte mich weniger, also hatte ich mir am Tag zuvor noch ein paar andere Dinge ausgesucht. Dazu bediente ich mich Tripadvisor-Bewertungen. Auf den vorderen Rängen in der Bewertungs-Tabelle war unter anderem der "Whirlpool". Kurz hinter den Wasserfällen hat der Niagara River noch so viel Kraft, dass er an einer Biegung erst noch ein Stück geradeaus fließt und so eine Art "Blinddarm" geschaffen hat - der sogenannte "Whirlpool".

Hier ein paar Stromschnellen auf dem Weg dorthin:



Und hier der Whirlpool:



Über den Whirpool führt der Spanish Aero Car, eine Seilbahn, die in der Wintersaison jedoch außer Betrieb ist. Kann mir gut vorstellen, dass es auch bei solch einem Wetter nicht allzu angenehm ist, in etwa 60 Meter Höhe in diesem offenen Wagen zu sitzen:



Hier der Whirpool noch einmal von der anderen Seite. Schon beeindruckend, wie der Fluss aus dem steilen Canyon hier mündet:



Es gibt auch einen Wanderweg ins Tal, doch im Winter ist dieser eher nicht zu empfehlen - zumal dieser auch im Sommer aus Sicherheitsgründen offiziell nicht bis ganz zum Fluss geöffnet ist.

Dann wollte ich mir noch etwas anschauen und war sogar bereit, dafür Geld auszugeben. Ich sollte mich zwischen einem Schmetterlings-Konservatorium und einem Vogelpark entscheiden müssen. Den Ausschlag gab für das Schmetterlings-Konservatorium die Tripadvisor-Bewertung. Unter über 60 Attraktionen in Niagara Falls lag dieses nämlich auf Platz 2. Ich kann zwar nicht allzu viel mit den Tieren anfangen, aber ich dachte mir, "es wird schon nicht so schlecht sein, wenn viele Leute das gut bewertet haben". Falsch gedacht! Der Eintritt kostete etwa 12 Euro und ich hatte nach 15 Minuten eigentlich alles gesehen. Das Konservatorium besteht im Grunde nur aus einer einzigen Halle, in der Schmetterlinge herumfliegen. Ich habe dann noch versucht, die Zeit totzuschlagen, indem ich ein paar Fluginsekten fotografiert habe.





Gut, die Schmetterlings-Halle war also ein Reinfall. Ich fuhr den Niagara Parkway, den ich am Tag zuvor schon von Fort Erie bis Niagara Falls gefahren bin, weiter. Nun führte mich die Route in Richtung Niagara-on-the-Lake.

Zuerst kam ich an einem (bzw. vielmehr zwei) Wasserkraftwerk(en) vorbei. Eines liegt auf der amerikanischen, das andere auf der kanadischen Seite.

Das kanadische Kraftwerk:



und das amerikanische:



Ein paar Meter weiter gibt es eine Blumenuhr. Im Hintergrund sind die Stromleitungen des Wasserkraftwerks zu sehen. Leider auch hier die falsche Jahreszeit, um die Uhr wortwörtlich in voller Blüte zu sein. Dafür waren auch hier Gänse - fliegen die im Winter eigentlich nicht in den Süden?



Auf dem Weg nach Niagara-on-the-Lake gab es noch einmal einen schönen Blick über den mittlerweile zahmen Niagara River:



In Niagara-on-the-Lake, das für den historischen Stadtkern bekannt ist, war nicht allzu viel los.

Das Prince-of-Wales-Hotel an der Hauptkreuzung in der Stadtmitte:



Niagara-on-the-Lake ist das Zentrum des Weinanbaus in Ontario. So gab es an der Hauptstraße mit dem Bell Tower einige Restaurants, die mit Weinausschank geworben haben.



Wie der Name schon sagt, liegt die Stadt am See, genauer am Lake Ontario.



Auch hier war der Krieg zwischen den USA und Großbritannien 1812/15 ein wichtiges Ereignis. Das Fort Niagara im amerikanischen Youngstown:



1954 begründete Marilyn Bell eine Tradition: Schwimmend auf das gegenüberliegende Ufer des Sees zu gelangen. Dafür müssen mindestens 45 Kilometer zurückgelegt werden. Auf diejenigen, die es schaffen, wartet ewiger Ruhm im Form dieser Tafel:



Auf der Rückfahrt nach Niagara Falls ist mir ein zumindest für deutsche Ohren skuriller Straßenname aufgefallen:



Abends war wieder Eishockey angesagt. Und zwar ein Spiel derselben Liga wie Tags zuvor.

Thorold Blackhawks vs. Stoney Creek Warriors 5:2 (1:0, 2:1, 2:1)

Thorold Community Arena, 236 Zuschauer


Zur Statistik des Spiels

In der urigen Halle waren immerhin mehr als doppelt so viele Zuschauer anwesend als am Abend zuvor, nämlich 236.



Thorold war der Favorit und wurde seiner Rolle auch gerecht. Nach dem 2:1 und 3:2 wurde es zwar noch einmal kurz eng, doch letztlich siegten die Blackhawks ungefährdet mit 5:2. Das Spiel war aber nicht so rassig wie am Tag zuvor, was wohl auch daran lag, dass die Underdogs nicht viel zu melden hatten.



Während dieses Spiels geschah etwas, das ich so noch nie gesehen habe: Das Eis ging kaputt. Und zwar genau auf einer der blauen Linien. Die Schiedsrichter versuchten zwar, das Ganze mit Wasser aus einer Trinkflasche zu reparieren, doch diese Versuche bleiben weitgehend erfolglos. So lagen nach und nach immer mehr kleine blaue Eisstücke herum. Weitergespielt wurde dennoch bis zum für die Gäste bitteren Ende.





Das Spiel begann übrigens um 7:07 PM. Warum diese ungewöhnliche Face-Off-Zeit gewählt wurde, blieb mir verborgen. Eine Anekdote am Rande war, dass ich zumindest zwei der Schiedsrichter schon im Spiel in Fort Erie gesehen habe - herrscht hier Schiedsrichter-Mangel?

Danach wollte ich noch einmal kurz zu den Wasserfällen, da diese in der Dunkelheit beleuchtet werden. Leider hat auch hier das Wetter nicht ganz mitgespielt, es war doch etwas neblig.

Die American Falls:





Hier die Anlage, die für das Spektakel verantwortlich ist:



In dem Casino, das im Hintergrund zu sehen ist, habe ich übrigens am Nachmittag eine Stunde verbracht. Was die Leute an den einarmigen Banditen toll finden, weiß ich nicht. Aber der Pokerautomat hat mich in den Bann gezogen. Am Ende des Casino-Besuchs stand ein Verlust von 1,40 Dollar. Aber solange man spielt, bekommt man ja Getränke umsonst. Also denke ich nicht, dass ich da reell Verlust gemacht habe. ;)

Und hier noch die Horseshoe Falls,





bevor ich den Abend ausklingen ließ.