Freitag, 10. Februar 2012

Regen in Cambridge

In der vergangenen Woche war ich mal wieder für einen Tag in England. Kurz zum Hintergrund meines Kurztrips:

Einige von euch wissen sicherlich, dass ich gerne mal für einen Tag mit Ryanair nach London fliege. So war ich in den letzten Jahren sechs Mal in London. Dabei habe ich mit immer über die Preise des Stansted Express in die Stadt echauffiert – schließlich kostete mich die Bahnfahrt nicht selten das Fünffache des Flugs von Bremen nach London-Stansted. Daher überlegte ich mir, ob ich als London-Fan mal etwas anderes in den nördlichen Home Counties sehen will. Meine Wahl fiel dann auf Cambridge. Ich hatte einen Tag vor Abflug noch einen Mietwagen gebucht – für 25 Euro pro Tag, über Expedia gebucht, eine sehr sinnvolle Investition, wie sich noch herausstellen sollte, denn schon die Wettervorhersage versprach nichts Gutes.

Los ging’s wie so oft am Osnabrücker Hauptbahnhof, der um kurz nach 4 Uhr morgens eine Sammelstelle obskurer Personen ist. Das Gefühl des Grausens in der Halle wird nur durch den Menschen, der mit seiner Wischmaschine den Boden säubert und einen von Zeit zu Zeit verjagt, unterbrochen. Doch auch diese Hürde wurde gemeistert und so saß ich nach Umsteigen in Dreye und Weiterfahrt mit dem Bus rechtzeitig in der Ryanair-Maschine gen London-Stansted, wo ich zehn Minuten vor der planmäßigen Zeit angekommen bin.

Dort ging’s dann zu Budget, die mir den günstigen Mietwagen verschafft hatten. Auf dem Parkplatz angekommen, bin ich natürlich erst zur falschen Seite des Autos gegangen, um wieder einmal festzustellen, dass Autos in Großbritannien das Lenkrad auf der rechten Seite haben. Auch die Versuche, mit der linken Hand den Gurt aus der Verkleidung der B-Säule zu ziehen sowie die rechte Hand zum Schalten zu benutzen, schlugen fehl. Nach ein paar Minuten hatte ich mich aber an das Auto gewöhnt und so war es kein Problem, in einer knappen halben Stunde Cambridge zu erreichen. Mit dem P+R-Bus fuhr ich die letzten paar Meilen in die Innenstadt.

Dort flüchtete ich mich zunächst ins Einkaufszentrum Grand Arcade. Dort war aber um kurz nach 10 Uhr nicht allzu viel los.



Von dort startete ich meinen Stadtrundgang, der aber aufgrund des Regens nicht sehr ausführlich wurde. Zunächst führte mich mein Weg zum Christ’s College, das vor allem für die biologische Fakultät bekannt ist.



Danach ging’s zum Market Square mit der Rückseite der Holy Trinity Church. Der Markt, der eigentlich stattfinden sollte, bot aber ein recht trauriges Bild.



Pizza gibt es in diesem eigentümlichen Gebäude. Und rechts sind Bauzäune zu sehen, die mich in der Stadt häufiger verfolgten. Anscheinend wurde gerade alles für die nächste Sommer-Touristensaison hergerichtet.



Blick von der „cow“ in Richtung des Market Sqaure:



Durch die verwinkelten Gassen der Innenstadt ging es dann weiter – immer den Wasserpfützen ausweichend.



Das bekannteste College Cambridges ist das King’s College. Hier studierten unter anderem John Keynes, Adam Turing oder Salman Rushdie. Die englische Wikipedia hat Artikel zu ca. 600 Alumni des King’s College. Irgendwie schon beeindruckend, so auch die Architektur:



Weniger beeindruckend fand ich, dass auch Ende Januar, wenn sowieso kaum Touristen in der Stadt sind, Eintritt für Besucher des Colleges verlangt wird. Gut, „Eintrittsgebühren“ für Hochschulen gibt es in Deutschland in etwas anderer Art und Weise auch, aber bevor es hier zu politisch wird, wende ich mich lieber der Fortsetzung meines Stadtrundgangs zu. Weiter ging’s zum Fluss Cam, der der Stadt ihren Namen gab. Links ist die Rückseite des King’s College zu sehen:



Auf der Cam kann man sich auch mit Booten fortbewegen. Dabei stößt man sich – ähnlich wie die Gondoliere in Venedig – mit einem langen Stock vom Grund ab. Nach näherer Inspektion der Boote hatte ich aber keine Lust mehr auf eine Fahrt, da mir nasse Füße noch gefehlt haben:



So ging ich wieder zurück in die Innenstadt, wo ich dem Great Gate des Trinity College begegnete. Am Trinity College studierten insgesamt 32 Nobelpreisträger, unter anderem Ernest Rutherford oder Niels Bohr. Auch Isaac Newton und Prince Charles studierten hier. Für Besucher war das College aber geschlossen, was mich zum Glück nicht in die Verlegenheit brachte, mir zu überlegen, ob ich den Eintritt zahlen soll.



Nachdem ich dann endgültig durchnässt war, beschloss ich zum Auto zurückzukehren und während der Fahrt nach Braintree zumindest meine Jacke trocknen zu lassen. In Braintree gibt es das Freeport Shopping Village, das im Gegensatz in den meisten deutschen Outlet Centres noch echte Schnäppchen hat. Für einen Shopping-Tag auch Abseits von London ist das Village durchaus empfehlenswert. Dafür benötigt man aber idealerweise einen Mietwagen. Mit der Bahn braucht man von Stansted für etwa 30 Kilometer über 2 Stunden, auch der Bus braucht über eine Stunde.

Nachdem ich meine Einkäufe erledigt hatte, ging es zurück zum Flughafen, um beim überteuerten Chinesen zu essen und anschließend zurückzufliegen.

Fazit: Cambridge war als Alternative zu London gedacht, kann aber natürlich an die Weltmetropole nicht heranreichen. Wenn man aber mal im Sommer einen Ausflug machen möchte, ohne den Trubel der Großstadt haben zu wollen, ist Cambridge mehr als eine Alternative. Ich hatte leider das Pech, dass das Wetter „typisch englisch“ war.